Schlafen wie die Japaner – Kapselhotels sind auf dem Vormarsch!

1977 wurde in Osaka das erste Kapselhotel eröffnet. Geschlafen wird auf engsten Raum. Platzangst ist bei dieser Art zu übernachten äußerst unangebracht, denn auf 2 qm Bodenfläche und einer Höhe von 1,20 m wäre die Bezeichnung Zimmer alles andere als treffend. Eine Art Röhre nutzt der Hotelgast, um sich vom Tagwerk zu erholen. Nebeneinander UND übereinander stapeln sich die wabenähnlich anmutenden Schlafstätten, ein für Nicht- Japaner sehr skurriles Bild. Eine Leselampe, ein Radio, ein Wecker und ein TV-Gerät gehören zur Grundausstattung der winzigen Unterbringung. Klingt doch eigentlich ganz gemütlich, das könnte es auch sein, wenn nur die anderen Hotelgäste nicht wären. Die dünnen Wände verhindern zwar den Sichtkontakt, halten aber die Schlafgeräusche des Nachbarn nur sehr dürftig ab. Man muss schon sehr müde sein, um in einen erholsamen Schlaf zu fallen; Ohrstöpsel erweisen sich als nützlichstes Accessoire für eine Nacht im Kapselhotel. Das Ein- und Auschecken erfolgt die ganze Nacht hindurch und nicht selten hat ein Gast zuvor eine sehr innige Beziehung zum Nationalgetränk Sake gepflegt..

Der moderne Höhlenmensch

Die schrägsten Hotels: Über Nacht im Kapselhotel

Die schrägsten Hotels: Über Nacht im Kapselhotel

In Japan sind diese Hotels jedoch sehr beliebt, an die hundert gibt es allein in Tokio. Ausländische Touristen trifft man in derartigen Etablissements eher selten. Zu eng, zu stickig, zu fremdartig- das dürften wohl die meist genannten Argumente der „Langnasen“ sein, denn bestimmte Rituale und Verhaltensregeln müssen in Kapselhotels strikt eingehalten werden. Schuhe aus, so heißt es an der Eingangstür, ein Schrank im Rezeptionsbereich bietet den Tretern Unterschlupf für eine Nacht. Damit nicht genug: Die eigene Kleidung wird durch den Kimono „Yukata“ nebst passenden Shorts ersetzt, derartig ausstaffiert kann man sich nun im Hotelbereich nach Herzenslust bewegen.

Im Gegensatz zur Schlafstatt sind die Gemeinschaftsräume durchaus großzügig und komfortabel. Hier wird gemeinsam der Feierabend begangen. Fernseher laufen in jeder Ecke, man nippt am grünen Tee, widmet sich der eigenen bevorzugten Unterhaltungselektronik oder entspannt im hauseigenen Schwimmbad.

Kosmetikbeutel vergessen? In Japan kein Problem! Automaten spucken so ziemlich alles aus, was man für eine Nacht in der Fremde so braucht. Ein frisches Hemd am nächsten Morgen? Nichts was die obligatorische Geldkarte im richtigen Automaten nicht regeln könnte. Bei drei verschiedenen Größen wird eines ja wohl passen.

Kapseltrend in Europa

Nun schwappt dieses Übernachtungsangebot langsam nach Europa. Die Briten waren es, die auf Nachahmung gesetzt haben und zwar bisher an den Flughäfen Heathrow und Gatwick. Großzügiger gestaltet und auch als Doppelkapsel buchbar, ist diese Übernachtungsmöglichkeit für müde Vielflieger und von Verspätungen gepeinigte und auf den Anschlussflug Wartende ideal, vor allem, weil man sich auch stundenweise dem Drang nach Schlaf und Erholung hingeben kann.

Man darf gespannt sein, ob man sich auch bald in Deutschland einkapseln kann, eine witzige Idee an zentralen Orten ist es allemal.

Urlauber, die wahre Erholung anstreben, werden ganz bestimmt weiterhin Ferienwohnungen und Ferienhäuser mit viel Platz zur Entfaltung bevorzugen und das finden wir auch gut so!

Schreibe ein Kommentar