Wandern mit Hund im Bayerischen Wald

nach meiner Bergtour! Foto: Grey59/PIXELIO

nach meiner Bergtour! Foto: Grey59/PIXELIO

Man, war ich aufgeregt, es ging mal wieder in den Urlaub und für meine Verhältnisse gaaaanz weit weg und zwar in den Bayerischen Wald.
Ihr erinnert Euch bestimmt ich bin Jerry,  der überaus hübsche Retriever aus Berlin  und erzählte erst kürzlich von meinem Urlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte.

Es gibt ja so viele schöne Ferienwohnungen im Bayerischen Wald !
Meine Zweibeiner Max und Karin entschieden sich für den Urlaubsort Bodenmais.

Nun ging es auch schon fast los.
Max versprach mir, die lange Autofahrt durch viele Pausen aufzulockern und suchte schon am Abend zuvor Rastplätze mit Waldanschluss heraus, wie nett, und ich leckte ihm hingebungsvoll die Hand.

Mein Hundebett, meine Näpfe und mein Sack Trockenfutter verschwanden nun nach und nach im Reisegepäck und das wiederum  im Kofferraum unseres Kombis. Meine Lieblingssnacks fanden ihren Platz griffbereit im Handschuhfach, also ich war bestens versorgt.
Fröhlich sprang ich auf die Rückbank, bellte nochmal kurz und freudig, um mich dann in die nagelneue noch etwas fremd riechende Hundedecke zu kuscheln.
Die Rastplätze waren wirklich wunderbar gewählt und wir alle hatten viel Spaß bei unseren kurzen aber spannenden Gassiausflügen.

Kurz vor Ende der abwechslungsreichen Autofahrt drückte ich mir die feuchte Hundenase an der Scheibe platt. Was waren das für hohe grau-weiße Berge, ich war begeistert, denn ich kannte bisher nur den Teufelsberg und der ist doch schon ganz schön hoch, oder?

Die Ferienwohnung in Bodenmais war mal wieder der absolute Hunde-Hit!
Auch Max und Karin liefen aufgeregt umher und machten einen sehr glücklichen Eindruck. Die Terrasse, einfach ein Traum, und direkt davor eine riesige Wiese zum toben und Unsinn machen….

Am ersten Tag erkundeten wir Bodenmais, wirklich nett hier, alles so sauber, kannte ich von Berlin her gar nicht. Auch meine Artgenossen verhielten sich für meinen Geschmack etwas zu übertrieben anständig und beachteten mich preußischen Großstadtköter zumeist erst nach dem zweiten direkten Anbellen. Nun denn, die werden mich schon noch kennenlernen….

Das Wetter war für Anfang Oktober übrigens noch wunderbar, wir entdeckten schöne Biergärten und meine Zweibeiner schwärmten von den üppigen Portionen der bayerischen Schmankerl, komisches Wort, doch diese riesige rosa Fleischscheibe sah schon recht lecker aus…

Aber am nächsten Tag sollte ich etwas ganz Großartiges  erleben. Ich sah meiner ersten Bergbesteigung entgegen, der Gipfel des Großen Arbers erwartete mich – MICH,  den Hund aus der Großstadtwüste.

Gott, war ich von der Rolle, würde ich das schaffen? Gab es unterwegs genug zu essen und zu trinken?
Wir gingen alle sehr früh schlafen, ich träumte etwas unruhig und war auch oft wach und frass schon vorsichtshalber ein bisschen auf Vorrat aus meiner Trockenfutter-Schüssel.

Bereits um 6 Uhr morgens wurde ich durch Geschirrklappern aus tiefstem Hundeschlaf gerissen. Frühstück- und dann ging es auch schon bald los. Ich schlich noch schnell auf die Terrasse, der Himmel war makellos blau die Luft roch gut, allerfeinstes Wanderwetter befand ich!

Mein faltbarer Wassernapf landete im roten Nylonrucksack von meiner über alles geliebten Karin und die für mich Prachtkerl so wichtigen Snacks ebenfalls.
Zuerst fuhren wir ein wenig Auto doch bald parkten wir und ich sprang übermütig umher, bis Max mir meine extra lange Auslaufleine anlegte. Ja, das muss auch hier sein, denn es gibt im Bayerischen Wald viele geschützte Tierarten, die ich womöglich durch freudiges Entdeckerbellen verschrecken könnte.

Erst ging es durch einen herrlichen duftenden Wald, übermütig lief ich immer ein wenig voran und schnüffelte so intensiv ich nur schnüffeln konnte. Es war noch angenehm kühl und ich stellte fest, dass eine Bergtour ja gar nicht so schlimm ist…Kurze Zeit später erreichten wir die Talstation der Gondelbahn, die weniger wanderfreudige Zwei- und Vierbeiner auf MEINEN Berg bringen würde.
Ich konnte nicht anders: Ein Verächtliches Bellen durfte ja wohl noch erlaubt sein.

Hoch erhobenen Hauptes setzten wir unseren Fußweg fort. Jetzt wurde es doch langsam anstrengender. Ein breiter steiler Schotterweg ließ  uns alle das erste Mal eine wenig schwitzen, und die doch noch imer recht kräftige Oktobersonne trug ordentlich dazu bei.
Doch bald erreichten wir das Berggasthaus Sonnenfels, dort erfrischten uns zwei Apfelschorlen und ein Napf mit Quellwasser. Die Bedienung war sehr herzlich zu mir und ich mochte sie auch. Sie roch sympathisch und trug ein lustiges buntes Kleid mit einer Schürze drum, sehr nett…

Nun ging es weiter über saftige Wiesen bis ich urplötzlich angewurzelt stehenblieb.
Was war das? Vor mir, nur durch einen Zaun getrennt, sah ich die größten Hunde meines Lebens. Braun-weiß und schwarz-weiß gescheckt, einige trugen breite Halsbänder mit riesigen bimmelnden Glocken dran, und jetzt kommt das Unglaublichste: Sie fraßen GRAS!!!! Max musste mein überaus erschrockenen Gesichtsausdruck  bemerkt haben und lachte lauthals los:  „Hey Jerry, das sind keine Hunde das sind KÜHE!“

Ach so, das muss einem Großstadtstreuner wie mir doch gesagt werden und ich versuchte mir das Wort zu merken!
Trotzdem, ich konnte mich von der Ansammlung dieser merkwürdigen Tiere kaum losreißen, die  beachteten mich jedoch gar nicht und ich weiß nicht, ob ich das gut oder schlecht finden sollte.
Aber der Gipfel rief und von meiner Erstbesteigung sollten mich keineswegs KÜHE abhalten!

Nun ging es noch einmal ein gutes Stück durch den angenehm schattigen Wald. Wald kannte ich ja schon zu Genüge von meiner Reise an die Mecklenburgische Seenplatte, doch hier roch es wieder ganz anders!

Die letzte Etappe führte uns in Serpentinen über eine Wiese hinauf zur Bergstation der Seilbahn.

Puh jetzt war ich aber doch kaputt, aber ich hatte durchgehalten und ich fühlte mich einfach großartig und das wollte ich auch unbedingt jedem mitteilen, vor allem diesen faulen Gondelfahrern! Max und Karin fanden meine kleine Angeberei nicht so toll und ermahnten mich ständig zur Ruhe.

Doch dann auf einmal, das schlug doch dem Faß den Boden aus: Ich glaubte meinen braunen Hundeaugen nicht zu trauen: Da wurde doch glatt ein Rehpinscher in einer rosa farbenden Gucci-Handtasche direkt vor meiner Nase vorbei getragen und dieses arrogant blickende Beuteltier hatte nichts besseres zu tun als mich zu fragen, wie ich denn so die Fahrt mit der Gondel fand….

„Ich bin gelaufen Du arrogantes Paris Hilton Accessoire, bellte ich das zarte Geschöpf an.
Erschrocken zog die Pinscher-Dame ihren Kopf in ihr mit Strassteinen verziertes Domizil.
Aber jetzt ruckte es schon eher energisch an meinem Hals und Max fand mein Benehmen jetzt doch nicht mehr so passend. Sah ich ja auch ein wenig ein, aber wie kann man mir unterstellen, mit so einer albernen Gondel zu fahren, sah man mir denn die Strapazen des Aufstieges gar nicht an?

Aber der Vorfall war für mich und meine Zweibeiner auch schnell vergessen. Wir stärkten uns erst einmal mit einer kräftigen Brotzeit im Berggasthof Eisensteiner Hütt`n.
Man war das toll hier, diese Aussicht, ich sah sogar KÜHE, die von hier oben ganz klein aussahen. Viele Zweibeiner lagen in Liegestühlen und sonnten sich, auch ich empfand die Wärme als äußerst wohltuend und langsam merkte ich auch, dass ich doch ganz schön kaputt war und mit Schrecken dachte ich an den Abstieg.

Wir stromerten noch ein wenig um das Gipfelplateau herum bis mich meine Zweibeiner in Richtung Gondel dirigierten. Die wollen doch nicht etwa…

Doch sie wollten. Sie kauften drei Tickets und schon stand ich auf unsicheren Pfoten mit klopfendem Hundeherz in einer Sechser Gondel. Hoffentlich hat mich jetzt nicht diese Taschen-Pinscher-Dame  gesehen, schoss es mir durch den Kopf. Aber  die saß bestimmt in der Tasche auf Frauchens Schoß und die wiederum im Liegestuhl des Bergasthofs.
Schon ging es auch schon los, man war das aufregend: Ich bin ja ein stattlicher großer Hund und so stellte ich mich aufgeregt auf die Hinterpfoten und konnte so auch einen Blick durch die Gondelfenster riskieren: Man war das toll, wenn ich das meinen Berliner Kumpels erzählen würde…Alle 100 m gab es ein wenig  Gerumpel und alle kreischten dann ein bisschen. Lustig!

Dann doch etwas erleichtert, sprang ich an der Talstation aus dem sehr ungewohnten aber überaus spannenden Gefährt und die letzte Etappe zurück zum Parkplatz lag vor uns.
Ausgelassen trabte ich voran. Ich war unsagbar stolz, glücklich aber auch ein wenig müde und kaum lag ich auf dem Rücksitz auf meiner Hundedecke schlief ich auch schon ein. Ich träumte von Kühen in Handtaschen, von aus Gondeln hängenden unendlich langen Würstchenketten und von rosa farbenden Rehpinschern.

Also, liebe vierbeinigen Kumpels, wagt Euch doch auch einmal auf den höchsten Berg des Bayerischen Waldes, kann ich nur empfehlen!
Es verabschidet sich mit einem fröhlichen Wuff!

Euer Jerry

Foto: www.pixelio.de

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