Babyboom auf Helgoland

Kegelrobbe - HelgolandJule ist ein Sonntagskind. Arglos guckt sie aus riesigen Kulleraugen in die Kameraobjektive – die Erstgeborene der Saison löst einen Medienrummel aus wie Nachwuchs im Königshaus. Nur dass Jule am Aadestrand der Helgoländer Düne zur Welt kam und eine Kegelrobbe ist. Gibt es süßere Babys auf der Welt? Mit ihrem weißen Babyfell und den tiefschwarzen Augen sind sie nicht seetauglich, der warme Puschelpelz ist nix zum Schwimmen! Vor wenigen Tagen hat Helgolands Naturschutzbeauftragter das offizielle Ende der diesjährigen Kegelrobbensaison verkündet: Rekord! Hier sind 168 Babys geboren.

In den Wintermonaten kommen an den weißen Stränden Helgolands die Robbenbabys zur Welt und wiegen nur 10-14 kg. Genährt durch die extrem fetthaltige Muttermilch wächst dem Jungtier eine dicke wärmende Speckschicht. So können sie nach drei Wochen bereits ca. 50 kg wiegen. Während dieser Zeit kann man sich am Strand der Helgoländer Badedüne den Tieren bis auf 30 Meter nähern. So nah, wie sonst nirgendwo in Deutschland!

Es wurden zwei Schutzzonen eingerichtet und große Schilder mit der Bitte um Abstand aufgestellt. So werden die Kegelrobben nicht zu sehr gestört und die Besucher können dennoch dieses faszinierende Naturschauspiel hautnah erleben.

„Kegelrobben-Watching“

gibt es längst als Pauschalarrangement, immer ausverkauft! Wer im nächsten Winter dabei sein will, sollte sich flott anmelden für die sechs neuen Termine: 27. – 29. November; 4. – 6., 11. – 13., 18. – 20. Dezember 2013 sowie 8. – 10. & 15. – 17. Januar 2014. Freilich kann man auch zu anderen Jahreszeiten mit dem Verein Jordsand e.V. geführte Wanderungen zu Robben und Seehunden unternehmen.

Wer nicht so lange warten will: Im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer sind Anfang Februar noch Junge geboren worden, bis Ende Februar werden die Kleinen gesäugt. Allerdings sind die Kolonien hier sehr viel kleiner als auf Helgoland und logieren z.B. auf Norderoogsand-Süd. Steht der Jungnamensand vor Amrum jedoch bei Sturm unter Wasser, weichen die Robben auf den Amrumer Kniepsand aus, manchmal auch auf die Hörnum-Odde oder den Föhrer Strand. Eine Kegelrobbe hat vor Jahren ihr Junges sogar am Hafen von Wittdün auf Amrum aufgezogen. Die Nationalparkverwaltung bittet um Rücksicht, wenn nach einem Sturm Kegelrobben-Junge stranden.

Wer ein Tier findet, sollte Abstand halten, seinen Hund anleinen und die zuständigen Naturschutzverbände informieren. Robben-Mütter lassen ihre Jungen oft allein am Strand oder säugen sie nur nachts. Wenn ein Baby wirklich verlassen ist, kommt es in die liebevollen Hände der Aufzuchtstation Friedrichskoog – so wie Nepomuk und seine vier Kumpel. In der Seehundstation kann man die Kleinen auf jeden Fall besuchen, mittags um 12 werden sie gefüttert!

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