Insel des ewigen Frühlings

Lanzarote

Lanzarote

Wer die Nase voll hat, vom längsten deutschen Winter aller Zeiten, ist doch nur 4 Stunden und 20 Minuten vom Frühling entfernt. Also, ab auf die Insel, denn so lange dauert der Flug nach Lanzarote. Hier herrschen ganzjährig gemäßigte Temperaturen, aber im April regnet es noch hin und wieder. Und das ist die letzte Gelegenheit, um ein ganz besonderes Phänomen zu erleben: Menschen die nach dem Regen mit Plastiktüten und Löffeln in die sonst wüstentrockenen Gebiete wie El Jable ziehen. Was suchen die da? Trüffel! Nein, nicht die extrem teuren schwarzen Trüffel, sondern Wüstentrüffel. Terfezia arenaria heißen sie für Botaniker, manche nennen sie auch Sand- oder Löwentrüffel. Es gibt sie nur hier, auf Fuerteventura und in Nordafrika. Sie gehören, wie die wertvollen Speisetrüffel, systematisch zu den Schlauchpilzen und wachsen komplett unteriridisch. Geschmacklich sind sie von echten Trüffeln doch entfernt, aber mit „normalen“ Pilzen auch nicht zu vergleichen. In der einheimischen Küche sind sie jedenfalls sehr begehrt und ihr Aroma unverkennbar, auch wenn sie hier „kleine Kartoffeln“ genannt werden.

Papas crías

Tatsächlich erinnern die unterirdisch wachsenden Knollen ein wenig an 2-3 cm große Kartoffeln – nur dass man von oben höchstens einen winzigen Riss im Sandboden erkennt und deshalb nie genau weiß, wo man graben muss. Den wichtigsten Hinweis gibt die „madre de papas crías”, die „Mutter der jungen Kartoffeln”. Sie ist eine unauffällige, gelb blühende Pflanze, das Kanarische Sonnenröschen und lebt mit dem Pilz in Symbiose. Also irgendwo im Umkreis muss er sein…. Nur wo? Deshalb braucht man den Löffel, denn man muss den Boden vorsichtig umgraben, sonst zerstört man das Myzel, also den eigentlichen Pilz im Boden, der riesige Ringe bildet – die Knollen sind sozusagen die Früchte (das gilt auch für unsere Pilze mit Hut, die oberirdisch wachsen – sie sind nur Früchte, der eigentliche Pilz ist im Boden!) Wer selber sein Glück beim Sammeln probieren möchte: die Pilze werden nur vorsichtig mit Pinsel oder Bürste vom Sand gesäubert, aber nicht gewaschen oder geschält. In gutem Olivenöl kurz anbraten – in der regionalen Küche werden sie oft mit Knoblauch, Eiern, Gambas oder Schinken serviert. Wer selber beim Pilze sammeln noch nie Glück hatte, kann die Wüstentrüffel von Lanzarote auch im Restaurant probieren: das Ikarus in Teguise serviert die Spezialität frisch zubereitet. Wer den Frühling endlich genießen möchte, sollte sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen und die Insel besuchen.

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