“In alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat”…

Fridericianum in Kassel,

Fridericianum in Kassel

Waren die deutschen Wälder voller Räuber, verzauberter Bäume und böser Rumpelstilzchen. Allerdings traf man hin und wieder auch eine gute Fee, ein essbares Häuschen oder einen sprechenden Wolf.

In Nordhessen lebten damals zwei gelehrte Brüder, die Märchen, Sagen und fromme Legenden sammelten und diese mündlich überlieferten Geschichten für die Nachwelt aufheben wollten. Vor genau 200 Jahren erschien pünktlich zum Weihnachtsgeschäft die erste Ausgabe ihres Märchenbuchs… damals ein totaler Flop! Zu dröge, zu wissenschaftlich, zu brutal, fast schon jugendgefährdende Schrift… mit lauter weiblichen Heldinnen! Schneewittchen, Rotkäppchen, Frau Holle, Rapunzel und Aschenputtel – wenn man ehrlich ist, spielen die rettenden und küssenden Prinzen doch nur Nebenrollen.

Nein, die „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm waren eine Fleißarbeit der Gelehrten, aber unlesbar. Erst als die „short-version“ quasi das „best-of“ mit nur 50 Märchen mit Illustrationen des jüngeren „Malerbruders” Ludwig Emil Grimm versehen auf den Markt kam, begann der Siegeszug der Grimms-Märchen.

Wilhelm, der zweitgeborene Grimm, hatte kräftig überarbeitet: Böse Mütter wurden zu bösen Stiefmüttern, nackte Prinzen bekamen prächtige Kleider und die Folgen von Rapunzels Rendezvous, nämlich ihre Schwangerschaft blieb für die böse Zauberin wie für den kleinen Leser unentdeckt. Heute sind die Märchen in 160 Sprachen übersetzt weltweit bekannt.

Die Expedition!

Das Land Hessen zeigt vom 27. April bis 8. September 2013 die Landesausstellung „EXPEDITION GRIMM“ in Kassel. Zwischen 1798 und 1841 lebten die Brüder Grimm gut dreißig Jahre in dieser Stadt, wo sie schon das Lyceum Fridericianum besucht hatten. Hier arbeiteten sie als Bibliothekare, hier sammelten, dokumentierten sie.

In Kassel findet aber auch alle 5 Jahre die documenta statt… was erst letzten Sommer der Fall war. Auch wenn die Kunstausstellung nur 100 Tage dauert, der Aufwand für Auf-und Abbau ist gigantisch. Das erklärt vielleicht, wieso die offizielle Landesehrung zum 200. Geburtstag der Haus-und Kindermärchen, die in der documenta-Halle stattfindet, erst jetzt, Ende April eröffnet wird.

Gezeigt werden wertvolle Manuskripte und persönliche Erinnerungsstücke von Jacob und Wilhelm Grimm sowie Arbeiten ihres jüngeren Bruders, des Malers Ludwig Emil. Acht Erlebnispfade, ausgehend von bedeutenden Werken der Grimms, laden zu einer Exkursion bis in die Gegenwart ein.

Außerhalb der Landesausstellung haben die Brüder überall in Kassel Spuren hinterlassen, die man heute noch finden kann: ein ehemaliges Wohnhaus am nach ihnen benannten Platz(nur von außen zu besichtigen), das Ottonuem (heute Naturkundemuseum)wo die Brüder als Kinder Privatunterricht erhielten, ein weiteres Wohnhaus (zur schönen Aussicht Nr. 7), die Wohnhäuser der Dorothea Viehmann im Märchenweg in Kassel-Niederzwehren und natürlich das neugestaltete Brüder Grimm Museum im Palais Bellevue.

Übrigens: nur die Hälfte aller Märchen beginnt mit den Worten „Es war einmal..“ – genau so beliebt war einst die Formel „als das Wünschen noch geholfen hat!“

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