Wem das Glück hold sein soll

Worum es beim St. Patrick’s Day geht

Alles erstrahlt in Grün. Grüne Pyramiden. Grüne Flüsse. Grüne Gebäude. Grünes Bier. Grünes Eis. Grüne Kobolde, die sogenannten Leprechaun. Alles ist grün. Angemalte Wangen, Hüte, Jacken. Wohin das Auge blickt, erstrahlt Grün als Farbe der Hoffnung. Auch in Irland. Dort ist sie eine der drei Nationalfarben und macht den St. Patrick’s Day zu einer farbgewaltigen Erscheinung, die sich größter Beliebtheit auf der ganzen Welt erfreut. Was es mit dem legendären irischen Volksfest auf sich hat und warum es inzwischen von der ganzen Welt gefeiert wird, erfahrt ihr hier.

Cork auf Irland

In Cork findet eine große St. Patrick’s Day Parade statt; Foto: ©Voyagerix/Fotolia.com

Wer war eigentlich Sankt Patrick?

Das schöne Grün ist im Laufe der Historie eine Farbe, der viele Bedeutungen beigemessen wurde. Im Mittelalter war sie die Farbe der Liebe. Im alten China galt sie als Symbol der Macht sowie von Weisheit und Stärke, weshalb sie oft in Verbindung mit dem göttlichen Drachen oder der göttlichen Schlange erschien. Das Christentum deutete das positive Symbol um und schuf ein grünes Ungeheuer, das alle bösen und destruktiven Eigenschaften in sich vereinte. In diesem Zusammenhang tritt auch der Bischof Patrick zutage. Den Iren zufolge war Bischof Patrick nämlich derjenige, der die Schlangen aus Irland vertrieb. Hinter dieser Aussage steckt jedoch weniger Mystik als angenommen. Patrick vertrieb keine echten Schlangen sondern die „ungläubigen“ Druiden, also die keltische Region, aus Irland und galt damit als erster Missionar Irlands, der das Christentum auf der grünen Insel einführte. Von der katholischen Kirche wird er deshalb als Heiliger verehrt, was ihm den Titel „Sankt“ einbrachte.

Tatsächlich war Bischof Patrick, entgegen der Annahme vieler Iren, gar kein Ire, sondern Brite. Sein Geburtsname lautete Meawyn Succat und die Geschichte, wie er zum christlichen Missionar wurde, ist beinahe noch spektakulärer als seine Missionarsarbeit an sich: Mit 16 Jahren wurde er von Piraten gekidnappt und nach Irland verschleppt, wo er erst nach sechs Jahren Gefangenschaft entkommen konnte, um sich im Anschluss an die traumatische Zeit der christlichen Lehre zu widmen. 30 Jahre reiste der Bischof durchs Land, gründete Schulen, Klöster und Kirchen. Mehr weiß man über ihn nicht. Er soll am 17. März 461 gestorben sein, weshalb man ihm zu Ehren den St. Patrick’s Day am selben Tag zelebriert.

Wie wird gefeiert?

Lange Zeit wurde der St. Patrick’s Day in Irland ausschließlich im privaten Rahmen gefeiert. Bis in die 1970er Jahre hinein blieben sogar alle Pubs im Land geschlossen. Christliche Bräuche spielten eine enorme Rolle beim Zelebrieren dieses Festtages. Heute begegnet man dem Gedenktag kaum noch mit religiösen Aspekten. Auch wenn es noch immer traditionelle Feiertagsgottesdienste gibt, haben diese stark an Bedeutung verloren. Stattdessen bilden die riesigen Paraden in den Straßen von Dublin, Cork oder Limerick das prägnante Erscheinungsbild des St. Patrick’s Days, der in den irischen Nationalfarben Grün, Weiß und Orange erstrahlt. Die Iren tragen an ihrem Nationalfeiertag gerne grüne Kleidung sowie ein Kleeblatt als Zeichen der Dreifaltigkeit. Im Anschluss an die Paraden wird in die Pubs eingekehrt.


Tourism Ireland’s Global Greening 2017; Quelle: Tourism Ireland, Youtube

Der St. Patrick’s Day weltweit

Entgegen jeder Annahme fand die erste St. Patrick’s Day Parade nicht in Irland statt. Ausgewanderte Iren trugen die Tradition des Volksfestes in die ganze Welt, weshalb bereits 1737 in Boston, Massachusetts oder 1766 in New York Paraden zum St. Paddy’s stattfanden. Darüber hinaus sympathisiert die Welt mit dem grünen Völkchen und seinem Glückbringenden Volksfest und lässt Sehenswürdigkeiten wie die Pyramiden von Gizeh, das Opernhaus von Sydney, den Schiefen Turm von Pisa in Pisa, das London Eye in London, die Niagarafälle, das Empire State Building, den Königspalast in Monaco, die Allianz Arena und den Odeonsplatz in München, den Cibeles-Brunnen in Madrid, den Berliner Fernsehturm und das Schloss Neumünster in Würzburg in leuchtendem Grün erstrahlen. In manchen Städten wie in Chicago wird sogar gleich ein ganzer Fluss mithilfe eines pflanzlichen Farbstoffes grün gefärbt.


Dyeing of the River Chicago 2017 – Greening of the River for St. Patrick’s Day celebrations; Quelle: Peter Tsai, Youtube

Kleiderordnung, was getrunken wird und Co.

Gibt es eine Kleiderordnung? Ja, am besten Grün von Kopf bis Fuß. Mit einem geschminkten Shamrock, einem dreiblättrigen Kleeblatt, dem inoffiziellen Nationalsymbol Irlands, oder einem Topf voll Gold am Ende des Regenbogens auf der Wange.

Getrunken wird das Nationalgetränk Irlands, das Schwarzbier Guinness. Da zum St. Paddy’s oft und viel und gerne angestoßen wird, können manchmal die irischen Kobolde, die Leprechauns, auch vorm Bier nicht halt machen und färben das Getränk grün ein. Für die Stimmung kommen ein paar Irishfolk-Klassiker mit Tin Whistle, Fiedel und Dudelsack dazu und definitiv nicht fehlen darf die Geschichte vom „Galway Girl“.


Sharon Shannon und Mundy – The Galway Girl [Audio Stream]; Quelle: Celtic Note, Youtube

Vieler Orts, auch in Deutschland, werden sich die irischen Pubs über jeden Besuch zum St. Patrick’s Day freuen. Zieht etwas Grünes an, stoßt auf den Heiligen Patrick an und vielleicht, ja vielleicht wird auch euch das irische Glück hold sein.

In diesem Sinne: Sláinte mhaith! Prost!

Extras:

St. Patrick’s Day Fotostrecke von Spiegel Online

Weltweite Orte, die zum St. Patrick’s Day grün werden: von Ireland Tourism

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